Ablauf einer Zertifizierung nach Maschinen-Richtlinie (2006/42/EG)

Kurzfassung

Im Zertifizierungsbereich „Maschinenrichtlinie“ bietet die DPLF GS-Prüfungen nach Abschnitt 5 des ProdSG und EG-Baumusterprüfungen nach Anhang IV der Maschinen-Richtlinie 2006/42/EG an.

Die Richtlinie Maschinen enthält grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen und gilt seit 1995 verbindlich für Maschinen bzw. seit 1997 auch für Sicherheitsbauteile. Sie wurde durch das 9. ProdSG in nationales Recht umgesetzt. Die aktuelle MRL 2006/42/EG wurde 2006 verabschiedet und gilt verbindlich ab dem 29.12.2009. Die Maschinenrichtlinie ist anzuwenden auf alle Maschinen, Maschinenanlagen, auswechselbare Ausrüstungen, einzeln in den Verkehr gebrachte Sicherheitsbauteile und Lastaufnahmeeinrichtungen, die erstmalig im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) in Verkehr gebracht werden. Ausnahmen durch Abgrenzungen z.B. zur Niederspannungs-Richtlinie sind in der MRL festgelegt.

Welche Konformitätsbewertungsverfahren nach EG-Maschinenrichtlinie möglich bzw. vorgeschrieben sind, hängt davon ab, ob die Maschine oder das Sicherheitsbauteil unter den Anhang IV der Richtlinie fällt. In Anhang IV der Richtlinie sind Produkte aufgelistet (z.B. Motorkettensägen), die als besonders gefährlich angesehen werden. Bei derartigen Maschinen muss eine europäisch benannte Stelle wie die DPLF eingeschaltet werden. Darüber hinaus können alle Arten von Maschinen mit dem GS-Zeichen gekennzeichnet werden, vorausgesetzt, in einer Baumusterprüfung zeigt sich, dass die Maschine die Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes (ProdSG) erfüllt.

Die DPLF ist europäisch benannte Stelle und durch die Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) für die Durchführung der Konformitätsbewertungsverfahren nach Art. 8 Abs. 2 MRL sowie die Vergabe des GS-Zeichens nach Abschnitt 5 des ProdSG benannt. Die Benennung erfolgte für folgende Maschinengruppen:

  1. Maschinen und Geräte für den Ackerbau
  2. Maschinen und Geräte für die Aufbereitung und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte beim Erzeuger
  3. Maschinen und Geräte für die Forstwirtschaft
  4. Maschinen und Geräte für den Gartenbau
  5. Maschinen der Grünlandwirtschaft
  6. Maschinen und Geräte für den Wein- und Obstbau
  7. Maschinen und Geräte für die Tierhaltung
  8. Geräte der Binnenfischerei
  9. Energetisch betriebene Werkzeuge    

Ablaufverfahren einer Zertifizierung für Maschinen

Phase 1:  Antrag

Richtet ein Kunde einen Antrag auf eine Zertifizierung nach 2006/42/EG an die DPLF, prüft diese, ob sich der zu zertifizierende Prüfgegenstand im Scope der DPLF befindet. Ist der Prüfgegenstand im Scope enthalten und sind alle Voraussetzungen geklärt, schickt die DPLF ein schriftliches Angebot an den Kunden. Ist der Prüfgegenstand nicht im Scope oder stehen andere Argumente gegen die Zertifizierung, unterrichtet sie den Kunden darüber. Stimmt der Kunde dem Angebot zu, reicht er seinen Antrag auf Zertifizierung bei der DPLF ein. Der Antrag umfasst alle Unterlagen, aus denen Daten zum Kunden, zum zu zertifizierenden Produkt und dem gewünschten Konformitätsbewertungsverfahren hervorgehen sowie alle dafür geforderten technischen Unterlagen. Mit der Unterzeichnung des Antrags wird der Vertrag zwischen DPLF und Kunde rechtsgültig. Die DPLF bestätigt dem Kunden schriftlich den Eingang des Antrags und benennt das zuständige Prüflabor zum Zweck der Zustellung des/der Prüfmuster(s) an das Prüflabor.

Phase 2:  Prüfung

Fällt das zu zertifizierende Produkt unter den Anhang IV der MRL 2006/42/EG und wurde zu einer EG-Baumusterprüfung angemeldet, erteilt die DPLF dem zuständigen Prüflabor nach positiver Antragsprüfung den Prüfungsauftrag für die EG-Baumusterprüfung. Für die GS-Prüfung gilt eine analoge Vorgehensweise. Der Kunde schickt eine festgelegte Anzahl Proben des Produktes an das Prüflabor. Der zuständige Prüfer leitet die Prüfungsdurchführung ein. Bei Abweichungen von den Anforderungen der Richtlinie wird der Kunde vom Prüfer unterrichtet. Verbessert der Kunde daraufhin das Produkt, muss ggf. eine erneute Prüfung erfolgen. Liegt ein Antrag auf GS-Zertifikat vor, findet während des Zertifizierungsprozesses eine Werkserstbesichtigung der Fertigungsstätte im Auftrag der DPLF statt. Nach Abschluss der Prüfungen übermittelt der Prüfer den standardisierten Prüfbericht an die DPLF.

Phase 3:  Zertifizierung

Liegen der DPLF alle angeforderten Prüfberichte des Prüflabors/der Prüflaboratorien vor, bewertet der zuständige Zertifizierer die Ergebnisse, verfasst den Bewertungsbericht und fällt die Zertifizierungsentscheidung. Entsprechend stellt die DPLF die EG-Baumusterprüfbescheinigung, die Normenkonformitätsbescheinigung bzw. das GS-Zertifikat aus und schickt sie dem Kunden zu.

Phase 4:  Fertigungsüberwachung (nur bei GS-Zeichen)

Wurde ein GS-Zertifikat erteilt, ist eine regelmäßige Fertigungsüberwachung während der Gültigkeitsdauer des GS-Zertifikats in Anlehnung an ZEK-GB-2017-1 (Grundsatzbeschluss des ZEK) vorgeschrieben. Dafür ist die DPLF verantwortlich. Wiederkehrende Fertigungsstättenkontrollen sind in Anlehnung an das im Dokument CIG 021, in der jeweils gültigen Fassung, beschriebene Verfahren (CENELEC-Werksinspektions-verfahren; CIG = Common Interest Group der EEPCA - European Electrical Products Certification Association) durchzuführen. Über das Ergebnis der Besichtigung erstellt die DPLF einen Bericht. Werden bei der Besichtigung Uneinheitlichkeit der Produktion oder eine Nichtübereinstimmung mit dem vormals geprüften Baumuster festgestellt, leitet die DPLF angemessene Maßnahmen ein. Diese sind in der Zertifizierungsordnung der DPLF und im ZEK-GB-2017-01 Kapitel 7 „Maßnahmen bei Abweichungen“ detailliert beschrieben.