Ablauf einer Zertifizierung nach Niederspannungs-Richtlinie (2014/35/EU)

Kurzfassung

Im Zertifizierungsbereich „Niederspannungs-Richtlinie“ bietet die DPLF GS-Prüfungen und die Erstellung von Gutachterberichten an, um Herstellern Unterstützung bei der internen Fertigungskontrolle nach Richtlinie 2014/35/EU für elektrische Betriebsmittel zu gewähren.

Elektrische Betriebsmittel unterliegen offiziell keinem Zertifizierungsverfahren. Eine Prüf- und Zertifizierungsstelle kann aber eingeschaltet werden, sei es auf freiwilliger Basis oder auch dann, wenn der Hersteller die Verfahrensschritte mit den notwendigen Nachweisen nicht selbst leisten kann. Das GS-Zeichen ist für elektrische Betriebsmittel uneingeschränkt möglich, sofern es sich um technische Arbeitsmittel oder verwendungsfertige Gebrauchsgegenstände handelt.

Die DPLF ist europäisch benannte Stelle und durch die Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) für die Erstellung von Gutachter-Berichten nach Richtlinie 2014/35/EU sowie die Vergabe des GS-Zeichens nach § 7 Abs. 1 und 2 ProdSG im Bereich der unter 16.4.4.1 genannten Maschinen-/Gerätegruppen benannt.  

Zertifizierung für elektrische Betriebsmittel

Phase 1:  Antrag

Richtet ein Kunde eine Anfrage nach einer Zertifizierung oder einem Gutachterbericht nach RL 2014/35/EU an die DPLF, prüft diese, ob sich der zu zertifizierende Prüfgegenstand im Scope der DPLF befindet. Ist der Prüfgegenstand im Scope enthalten und sind alle Voraussetzungen geklärt, schickt die DPLF ein schriftliches Angebot an den Kunden. Ist der Prüfgegenstand nicht im Scope oder stehen andere Argumente gegen die Zertifizierung, unterrichtet sie den Kunden darüber. Stimmt der Kunde dem Angebot zu, reicht er seinen Antrag auf Zertifizierung bzw. nach einem Gutachterbericht bei der DPLF ein. Der Antrag umfasst alle Unterlagen, aus denen Daten zum Kunden und zum zu zertifizierenden Produkt hervorgehen sowie alle geforderten bzw. notwendigen technischen Unterlagen. Mit der Unterzeichnung des Antrags wird der Vertrag zwischen DPLF und Kunde rechtsgültig. Die DPLF bestätigt dem Kunden schriftlich den Eingang des Antrags und benennt das zuständige DPLF-Prüflabor zum Zweck der Zustellung des/der Prüfmuster(s) an das Prüflabor.  

Phase 2:  Prüfung

Die DPLF erteilt dem zuständigen Prüflabor DLG-Testzentrum den Auftrag für die GS-Prüfung bzw. die Erstellung des Gutachterberichts. Der Kunde schickt eine festgelegte Anzahl Proben des Produktes an das Prüflabor. Der zuständige Prüfer leitet die Prüfungsdurchführung ein. Bei Abweichungen von den Anforderungen der Richtlinie unterrichtet der Prüfer den Kunden und informiert die DPLF. Verbessert der Kunde daraufhin das Produkt, muss ggf. eine erneute Prüfung erfolgen. Liegt ein Antrag auf GS-Zertifikat vor, findet während des Zertifizierungsprozesses eine Werkserstbesichtigung im Auftrag der DPLF statt. Nach Abschluss der Prüfungen übermittelt der Prüfer den standardisierten Prüfbericht an die DPLF.

Phase 3:  Zertifizierung

Liegt der DPLF der Gutachterbericht bzw. der Prüfbericht vor, erfolgt die Bewertung der Ergebnisse durch den zuständigen Zertifizierer. Anhand des Bewertungsberichts und der Entscheidungscheckliste zur Zertifizierung fällt der Zertifizierer die Zertifizierungsentscheidung. Entsprechend stellt die DPLF die Normenkonformitätsbescheinigung bzw. das GS-Zertifikat aus und schickt sie/es dem Kunden zu.

Phase 4:  Fertigungsüberwachung (nur bei GS-Zeichen)

Wurde ein GS-Zertifikat erteilt, ist eine regelmäßige Fertigungsüberwachung während der Gültigkeitsdauer des GS-Zertifikats vorgeschrieben. Die Überwachung der Herstellung des GS-zertifizierten Produktes ist dort durchführen, wo dieses Produkt gefertigt wird, also gegebenenfalls auch in mehreren Fertigungsstätten. Die Überwachung erfolgt im Auftrag der DPLF grundsätzlich jährlich, wird aber in Abhängigkeit von Kunde, Produktion und Produkt variiert bzw. angepasst. Die Zeitabstände für die durchzuführenden Kontrollmaßnahmen werden im Rahmen der Zuerkennung des GS-Zeichens von der DPLF festgelegt. Empfehlungen zur Bestimmung der Abstände können dem ZEK-GB-2017-1 (Grundsatzbeschluss des ZEK) entnommen werden. Wiederkehrende Fertigungsstättenkontrollen sind in Anlehnung an das im Dokument CIG 021, in der jeweils gültigen Fassung, beschriebene Verfahren (CENELEC-Werksinspektionsverfahren; CIG = Common Interest Group der EEPCA - European Electrical Products Certification Association-) durchzuführen. Über das Ergebnis der Besichtigung erstellt die DPLF einen Bericht. Werden bei der Besichtigung Uneinheitlichkeit der Produktion oder eine Nichtübereinstimmung mit dem vormals geprüften Baumuster festgestellt, leitet die DPLF angemessene Maßnahmen ein. Diese sind in der Zertifizierungsordnung der DPLF und im ZEK-GB-2017-01 Kapitel 7 „Maßnahmen bei Abweichungen“ detailliert beschrieben.