Ablauf einer Zertifizierung nach PSA-Verordnung (EU) 2016/425

Kurzfassung

Im Zertifizierungsbereich „PSA-Verordung“ bietet die Zertifizierungsstelle die in der Verordnung (EU) 2016/425 festgelegten Konformitätsbewertungsverfahren für Persönliche Schutzausrüstungen (PSA), und zwar insbesondere im Bereich „Schnittschutz für Kettensägeführer“ an.

Persönliche Schutzausrüstungen dürfen im Europäischen Wirtschaftsraum nur in Verkehr gebracht werden, wenn sie die Anforderungen der PSA-Verordnung erfüllen. Diese sieht dazu unterschiedliche Verfahren vor, je nachdem, in welche der drei Gefahren-Kategorien eine Persönliche Schutzausrüstung eingestuft wird.

Bei den komplexen persönlichen Schutzausrüstungen der Kategorie III sind eine Baumusterprüfung und eine Produktionsüberwachung durch eine benannte Stelle durchzuführen. In diesem Fall sind die Inhalte der Zertifizierungsverfahren zur Erlangung der CE-Kennzeichnung bzw. des GS-Zeichens vergleichbar. Daher wird das GS-Zeichen in diesem Bereich nicht verwendet.

Die weniger anspruchsvollen persönlichen Schutzausrüstungen der Kategorien I und II, die entweder ohne das Zertifikat einer benannten Stelle vom Hersteller mit der CE-Kennzeichnung versehen werden (Kategorie I) oder ausschließlich einer Baumusterprüfung unterzogen werden (Kategorie II), können jedoch nach entsprechender Prüfung das GS-Zeichen erhalten.  

Ablaufverfahren für eine Zertifizierung von Persönlicher Schutzausrüstung

Phase 1:  Anfrage und Antrag

Richtet ein Kunde eine Anfrage nach einer Zertifizierung nach Verordnung (EU) 2016/425 an die DPLF, prüft diese, ob sich der zu zertifizierende Prüfgegenstand im Scope der DPLF befindet.
Ist der Prüfgegenstand im Scope enthalten und alle Voraussetzungen geklärt, schickt die DPLF ein schriftliches Angebot an den Kunden. Ist der Prüfgegenstand nicht im Scope oder stehen andere Argumente gegen die Zertifizierung, unterrichtet sie den Kunden darüber.
Stimmt der Kunde dem Angebot zu, reicht er seinen Antrag auf Zertifizierung bei der DPLF ein. Der Antrag umfasst alle Unterlagen, aus denen Daten zum Kunde und zum zu zertifizierenden Produkt hervorgehen sowie alle dafür geforderten technischen Unterlagen.
Mit der Unterzeichnung des Antrags wird der Vertrag zwischen DPLF und Kunde rechtsgültig. Die DPLF bestätigt dem Kunde schriftlich den Eingang des Antrags und benennt das zuständige DPLF-Prüflabor zum Zweck der Zustellung des/der Prüfmuster(s) an das DPLF-Prüflabor.

Phase 2:  Prüfung

Die DPLF erteilt dem zuständigen Prüflabor KWF den Prüfungsauftrag für die EG-Baumusterprüfung bzw. eine Teilprüfung (z.B. im Bereich Forstschutzschuhe). Der Kunde schickt eine festgelegte Anzahl Proben des Endprodukts an das Prüflabor. Der zuständige Prüfer leitet die Prüfungsdurchführung ein. Nach Abschluss der Prüfungen übermittelt der Prüfer den standardisierten Ergebnisbericht an die DPLF. Wurde vom Kunde erstmalig ein GS-Zertifikat beantragt, muss gemäß ZEK-GB-2017-1 (Grundsatzbeschluss des ZEK) eine Werks-Erstbesichtigung der Fertigungsstätte hinsichtlich technischer und personeller Ausstattung, Wareneingangs- und Fertigungskontrolle durchgeführt werden. Im Rahmen der Fertigungsstättenkontrolle bzw. der Produktüberwachung sind auch die Verpackung und Gebrauchsanleitung hinsichtlich der GS-Zeichenabbildungen, Typenbezeichnung und Herstellerbezeichnung sowie Herstelleradressen u. ä. mitzuprüfen Für die Werkserstbesichtigung ist die DPLF zuständig. Das positive Ergebnis der Werkserstbesichtigung ist Voraussetzung für die Zertifizierung.

Phase 3:  Zertifizierung

Liegt der DPLF der Ergebnisbericht des Prüflabors vor, erfolgt die Bewertung der Ergebnisse durch den zuständigen Zertifizierer anhand der Checkliste für PSA - Schnittschutz. Bei Abweichungen von den Anforderungen der Richtlinie wird der Kunde unterrichtet; er erhält dazu einen Bewertungsbericht. Verbessert der Kunde daraufhin das zu zertifizierende Produkt, muss ggf. eine erneute Prüfung erfolgen. Bei Übereinstimmung mit den Anforderungen der Richtlinie erstellt der Zertifizierer den Bewertungsbericht. Anhand des Bewertungsberichts wird entsprechend das Zertifikat erteilt. Der Kunde erhält daraufhin die EG-Baumusterbescheinigung bzw. das GS-Zertifikat von der DPLF.

Phase 4:  Fertigungsüberwachung

Wurde einem Kat. II-Produkt ein GS-Zertifikat erteilt, muss während der Gültigkeitsdauer des Zertifikats eine Überwachung der Herstellung erfolgen (ZEK-GB-2017-1). Wiederkehrende Fertigungsstättenkontrollen sind in Anlehnung an das im Dokument CIG 021, in der jeweils gültigen Fassung, beschriebene Verfahren (CENELEC-Werksinspektionsverfahren; CIG = Common Interest Group der EEPCA -European Electrical Products Certification Association-) durchzuführen Über das Ergebnis der Besichtigung erstellt die DPLF einen Bericht. Werden bei der Besichtigung Uneinheitlichkeit der Produktion oder eine Nichtübereinstimmung mit dem vormals geprüften Baumuster festgestellt, leitet die DPLF angemessene Maßnahmen ein. Diese sind im ZEK-GB-2017-01 Kap. 7. „Maßnahmen bei Abweichungen“ detailliert beschrieben.